Wann ist Leichte Sprache vorgeschrieben?

§ 4 BITV 2.0 verlangt auf den Startseiten von Websites öffentlicher Stellen des Bundes Erläuterungen in Leichter Sprache und Deutscher Gebärdensprache. Sie müssen die wesentlichen Inhalte, Hinweise zur Navigation und die wesentlichen Inhalte der Erklärung zur Barrierefreiheit erklären. Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz schreibt dagegen nicht pauschal Leichte Sprache vor.

Leichte Sprache ist nicht dasselbe wie Einfache Sprache oder allgemein verständliches Schreiben. Sie folgt Empfehlungen zu Wortwahl, Satzbau, Gliederung, Gestaltung und dem Erstellungsprozess.

6,2 Millionen
Deutsch sprechende Erwachsene im Alter von 18 bis 64 Jahren waren laut LEO-Studie 2018 gering literalisiert. Das entspricht 12,1 Prozent der untersuchten Bevölkerungsgruppe.

Die Regeln: Was Leichte Sprache ausmacht

Wichtige Grundlagen sind das Regelwerk des Netzwerks Leichte Sprache und die DIN SPEC 33429 vom März 2025. Beide enthalten Empfehlungen zu Sprache, Gestaltung und Verständlichkeit:

DIN SPEC 33429 – die neue Spezifikation

DIN Media veröffentlichte die DIN SPEC 33429 im März 2025 unter dem Titel „Empfehlungen für Deutsche Leichte Sprache“. Eine DIN SPEC ist keine DIN-Norm. Sie wurde im PAS-Verfahren erarbeitet und kann als Grundlage für Qualitätssicherung und Ausschreibungen dienen.

Leichte Sprache vs. Einfache Sprache

Die beiden Begriffe werden oft verwechselt. Austauschbar sind sie nicht: Wenn für einen bestimmten Inhalt Leichte Sprache verlangt wird, genügt eine Fassung in Einfacher Sprache nicht automatisch.

Leichte Sprache orientiert sich an Regelwerken und Empfehlungen wie der DIN SPEC 33429. Das Netzwerk Leichte Sprache verlangt in seinem eigenen Regelwerk außerdem, dass mindestens zwei Menschen mit Lernschwierigkeiten den Text prüfen. Diese Vorgabe ist vom konkreten Auftrag und dem vereinbarten Regelwerk zu unterscheiden.

Einfache Sprache richtet sich an ein breiteres Publikum. Die DIN 8581-1 legt allgemeine Regeln für deutsche Sachtexte fest und richtet sich ausdrücklich nicht an Leserinnen und Leser mit kognitiven Beeinträchtigungen. DIN Media erklärt zugleich, dass die Norm Zielgruppentests vorsieht, um die Verständlichkeit zu überprüfen. Eine solche Prüfung erfolgt bei meinen Aufträgen kundenseitig. Mehr zu Einfacher Sprache und DIN 8581-1.

Wo § 4 BITV 2.0 Erläuterungen in Leichter Sprache fordert, genügt eine Fassung in Einfacher Sprache nicht. Für andere Inhalte kann Einfache Sprache die passende Sprachstufe sein.

Die Zielgruppe: Wer Leichte Sprache braucht

Die DIN SPEC 33429 richtet Leichte Sprache vor allem an Menschen mit Lernschwierigkeiten und an weitere Personen, die davon profitieren. Welche Sprachstufe passt, hängt vom konkreten Inhalt und von den vorgesehenen Leserinnen und Lesern ab.

Eine pauschale Zuordnung wäre deshalb falsch. Entscheidend sind die tatsächlichen Anforderungen der Menschen, für die der Text bestimmt ist.

Prüfgruppen im Regelwerk des Netzwerks

Nach den Regeln des Netzwerks Leichte Sprache prüfen mindestens zwei Menschen mit Lernschwierigkeiten jeden Text. Andere Auftraggeber können abweichende Qualitätsanforderungen oder ein anderes Regelwerk vereinbaren.

Menschen aus der Zielgruppe lesen den Text und geben Rückmeldung: Ist er verständlich? Gibt es unklare Stellen? Fehlt eine Erklärung? Diese Hinweise fließen in die Überarbeitung ein.

Kundenseitige Prüfung
Eine Prüfung durch eine Ziel- oder Prüfgruppe erfolgt kundenseitig. Gern bereite ich den Text dafür vor und arbeite die Rückmeldungen anschließend im vereinbarten Umfang ein.

Ein Sprachmodell kann Formulierungen vereinfachen und Entwürfe liefern. Es ersetzt jedoch nicht die fachliche Prüfung des Inhalts und keine Rückmeldung aus einer vereinbarten Prüfgruppe. Für KI-gestützte Entwürfe biete ich eine sprachliche und inhaltliche Qualitätssicherung an.

Gesetzliche Grundlagen

Welche Anforderungen gelten, hängt vom Träger, vom Medium und vom konkreten Inhalt ab:

Für private Unternehmen ist entscheidend, ob ihre Produkte, Dienstleistungen und Informationen in den Anwendungsbereich von BFSG und BFSGV fallen. Das BFSG schreibt nicht pauschal Leichte Sprache vor. Welche sprachliche Fassung für ein Projekt passt, sollte deshalb anhand des konkreten Angebots geprüft werden.

Was ein guter Text in Leichter Sprache kostet

Eine Übertragung in Leichte Sprache verändert Struktur, Formulierungen und häufig auch die Gliederung des Ausgangstextes. Das Honorar richtet sich nach Dateiformat, Komplexität, Sprache und Deadline.

Vor Beginn erhalten Sie ein schriftliches Angebot mit dem vereinbarten Leistungsumfang. Eine mögliche Ziel- oder Prüfgruppenprüfung bleibt darin als kundenseitiger Schritt erkennbar. Projekt beschreiben.

Drei Dinge, die Leichte Sprache nicht ist

  1. Kindersprache. Leichte Sprache richtet sich an Erwachsene. Der Ton ist respektvoll und sachlich, nicht verniedlichend.
  2. Schlechtes Deutsch. Die vereinfachte Struktur folgt einem Regelwerk. Sie ist Ergebnis professioneller Arbeit, nicht sprachlicher Nachlässigkeit.
  3. Überflüssig, wenn man „einfach klar schreibt“. Verständlich schreiben ist gut. Leichte Sprache folgt weitergehenden Empfehlungen und kann für bestimmte Inhalte ausdrücklich verlangt sein.

Quellen

  1. LEO-Studie 2018: 6,2 Millionen gering literalisierte Erwachsene, Universität Hamburg – leo.blogs.uni-hamburg.de
  2. Netzwerk Leichte Sprache: Regeln für Leichte Sprache (aktualisiert Mai 2025) – netzwerk-leichte-sprache.de
  3. BMAS / DIN Media: DIN SPEC 33429 „Empfehlungen für Deutsche Leichte Sprache”, März 2025 – bmas.de
  4. DIN 8581-1: Einfache Sprache – Anwendung für das Deutsche, Mai 2024 – dinmedia.de
  5. BITV 2.0, § 4 und Anlage 2: Erläuterungen in Leichter Sprache und Deutscher Gebärdensprache für öffentliche Stellen des Bundes – gesetze-im-internet.de
  6. § 11 BGG: Verständlichkeit und Leichte Sprache – gesetze-im-internet.de
  7. BMAS: Leichte Sprache anwenden – bmas.de

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